Interview mit Josef A. Holzer

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Josef, warum braucht es deiner Meinung nach Permakultur und was zeichnet Sie aus?

Nun, grundsätzlich gilt: wir sind Teil der Natur und müssen lernen, mit ihr zu arbeiten. Permakultur heißt: Arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie. Ich bin unter anderem ein gelernter Förster. Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich einen alten Förster einen Satz sagen hören, der sich mir eingeprägt hat: „Die Natur gibt uns alles. Aber nicht umsonst.“

„Natur führt, Technik folgt.
Bei jeder Entscheidung.“

Damit ich der Natur etwas abverlangen kann, muss ich zuerst einmal verstehen, wie sie funktioniert. Ich sehe das ähnlich wie in der Mathematik. Habe ich ein Grundverständnis entwickelt, kann ich mir Dinge herleiten. Verstehe ich die Abläufe in der Natur, kann ich diese in landwirtschaftliche Kultur übertragen, übersetzen.

Wie macht man das?

Wollen wir Natursysteme in unsere Kulturlandschaft übertragen, müssen wir zuerst Verständnis für Ökosysteme aufbauen und Fragen stellen. Zum Beispiel: Wie funktioniert Boden? Was ist Bodenleben? Welchen Einfluss hat meine Bodenbearbeitung auf das Leben im Boden und wie wirkt sie sich auf die Fruchtbarkeit aus? Aus der Beantwortung dieser Fragen ließe sich ableiten, wie eine sinnvolle Bodenbearbeitung aussehen könnte. Das führt uns auch zu einem wichtigen landwirtschaftlichen Gesetz, dem auch die Permakultur folgen muss: Natur führt, Technik folgt. Bei jeder Entscheidung. Nicht die Technik gibt vor, wie wir den Boden zu bearbeiten haben, sondern der Boden und das Bodenleben geben vor, wie wir arbeiten müssen, damit wir möglichst wenig Schaden anrichten. Bei der Suche nach geeigneten Techniken können wir übrigens viel von alten Kulturlandschaften lernen. Und sollte es die Techniken, die wir brauchen tatsächlich noch nicht geben, nun, dann haben wir Menschen die geistigen Kapazitäten, diese zu entwickeln.

Was unterscheidet Permakultur von anderen landwirtschaftlichen Konzepten?

Es muss klar sein, dass wir eine Flächenbegrenzung haben. Landwirtschaft bedeutet, dass wir Land bewirtschaften müssen, nicht Land verbrauchen, wie die Agrarindustrie das tut. Die lässt in Südamerika Soja anbauen, das in einer Fabrikhalle in Europa zu Schweinefleisch zusammengebaut wird. Mit Landwirtschaft hat das rein gar nichts zu tun. Das ist Industrie. Das ist Raubbau. Im Wortsinn bedeutet Landwirtschaft, eine begrenzte Fläche zu bewirtschaften. Mit der muss man auskommen. Der Begrenztheit begegnen wir, anders als konventionelle Landwirte, die vor allem Futter- und Düngemittel zukaufen müssen, nicht mit Inputs von außen.

Heißt das, es geht Dir um Autarkie?

Nein. Niemand ist autark. Autarkie ist, meiner Meinung nach, kein taugliches Konzept. Arbeitsteilung ist gut und richtig. Niemand kann alles machen und muss es auch nicht. Wir leben schließlich in Gemeinschaften. Allerdings sollte man seinen Betrieb so aufbauen, dass er nicht ständig darauf angewiesen ist, Rohstoffe und Ressourcen von außen zu bekommen. Auch unser Betrieb kauft manches zu – aber regional. Am besten sind übrigens Kooperationen mit Nachbarn. Der Begrenztheit einer Fläche begegne ich in der Permakultur aber grundsätzlich nicht mit Inputs. Unser Zugang ist ein anderer: wir diversifizieren. Vielfalt ist der Schlüssel. Vielfalt ist unsere Antwort auf Begrenztheit.

Was bedeutet das im Detail?

Stellen wir uns ein Stück Land vor, das Futter für 20 Kühe hergibt. Damit sollte ich nicht 40 Kühe versorgen müssen. Besser ist es in diesem Fall, nur zwanzig Kühe zu haben, aber dazu noch Bienen, vielleicht einen Fischteich, Obst und eine Pilzzucht. All das geht sich auf derselben Fläche aus.

„Können wir, was wir hier tun, verantworten? Ist es sinnvoll?“

Zwanzig weitere Kühe dagegen haben nicht Platz. Die müsste ich von außen versorgen, das heißt, ich müsste Ressourcen zukaufen. Und damit fangen die Probleme an. Als Bauer muss ich lernen, mit meiner Fläche auszukommen und Energie- und Nährstoffkreisläufe schaffen, beziehungsweise optimieren.

Wie schaffe ich das, wie komme ich dort hin?

Durch Reflexion. Dass es auf einem begrenzten Planeten kein unbegrenztes Wachstum geben kann, ist heute Konsens. Wer Grund und Boden hat, ihn bewirtschaften darf, ist privilegiert, und trägt Verantwortung für diese Fläche. Arbeiten wir mit Land, müssen wir uns immer wieder diese Fragen stellen: „Können wir, was wir hier tun, verantworten? Ist es sinnvoll?“. Diese Frage kann ich auf alle Bereiche anwenden. Im Acker- oder Gartenbau frage ich: „Wird mein Boden mit meiner Bewirtschaftung besser oder schlechter? Wie entwickelt er sich? Wie schaut es mit dem Humusgehalt aus? Wie mit dem Bodenleben?“ In der Tierhaltung frage ich: „Möchte ich bei mir am Hof ein Tier sein? Ja? Nein?“

„Hirn und Herz pro Hektar – Das ist die wichtigste Kennzahl in der Landwirtschaft.“

Eine vordergründig simple Frage, aber eine, mit der ich mich auseinandersetzen muss. „Wie geht es den Menschen, die mit mir gemeinsam arbeiten? Wie den Betrieben, die meine Partner sind? Wie steht es um das menschliche Miteinander?“. All diese Fragen sind wichtig und oft schwierig zu beantworten. Ich mache sicher nicht alles richtig, koche – wie alle anderen auch – nur mit Wasser, stolpere von Fehler zu Fehler. Umso wichtiger ist es, sich Zeit zu nehmen und zu reflektieren. Ansonsten verläuft man sich, wird blind. Betriebsblind. Tatsächlich gehört Reflexion zu den schwierigsten Aufgaben. Aber ohne geht es nicht.

An wen richtet sich das Angebot der Permakultur?

An alle, die an rationalen Lösungen interessiert sind. Permakultur hat absolut nichts mit Esoterik zu tun, sondern basiert auf Erkenntnissen der Naturwissenschaft. Ich arbeite auch nicht mit Wünschelruten, Mondphasen oder Kupferwerkzeug. Ich bin Bauer, kein Zauberer. Es ist mir ein Anliegen, dass man den landwirtschaftlichen Hintergrund der Permakultur begreift. Viele denken ja, Permakultur sei ein modernes, urbanes Konzept. Viele Bauern schreckt das ab. Das Thema erscheint ihnen praxisfern, vielleicht zu komplex und auch zu modisch. Daher ist es mir ein großes Anliegen, Landwirte anzusprechen und ihnen zu zeigen, dass Permakultur sehr wohl ein landwirtschaftliches Konzept darstellt. Eines der größten Probleme, die ich in der modernen Landwirtschaft sehe, ist das Copy-Paste-Problem: Überall wird nach ein und demselben Schema gearbeitet und das, obwohl es so viele unterschiedliche Situationen gibt. Lage, Klima, Marktsituation sind ja komplett unterschiedlich. Ganz besonders gilt das für die Menschen selbst: Sie führen verschiedene Leben, haben unterschiedliche Interessen, Träume, Wünsche und eine spezifische Geschichte, Ausbildung, Stärken und so weiter. Angesichts dieser Unterschiedlichkeit fällt es schwer zu glauben, dass ein und dasselbe Konzept überall funktionieren kann. Wir brauchen individualisierte Lösungen. Die können wir übrigens in der Natur finden und natürlich auch in der Auseinandersetzung mit alten Kulturlandschaften. Beschäftigen wir uns mit diesen, sehen wir, dass es für ein und dasselbe Problem ganz unterschiedliche Lösungen gibt. Man muss die Lösungen finden, die am besten zu einem passen.

Wo sind die Stärken der Permakultur im Vergleich zu anderen, biologisch-organischen Zugängen?

Jeder positive Impuls in der Landwirtschaft ist begrüßenswert und wichtig. Abgrenzungsbedürfnis ist kontraproduktiv. Betreibst du Biolandbau? Arbeitest Du nach Demeter? Nach Permakultur? Das ist mir nicht wichtig. Wichtig sind die Ergebnisse. „Die Lösung“ gibt es sowieso nicht. Aber es gibt „zu uns passende, individuelle Lösungen“. Entscheidend scheint mir die Frage, ob ich die spezifischen Bedingungen, mit denen ich konfrontiert bin, zu meinen Gunsten nutzen kann.

„Ich bin Generalist, nicht Spezialist. Mir reicht es, wenn meine Kulturen zu 80% erfolgreich sind.“

Je besser ich die Bedingungen nutzbar machen kann, umso weniger muss ich ändern, das heißt, umso weniger Ressourcen muss ich aufwenden. Daher ist die wichtigste Kennzahl in der Landwirtschaft nicht die Bodenzahl oder das lokale Klima. Viel entscheidender ist, wie viele Gedanken und wie viel Zeit ich einer Fläche widmen kann. Hirn und Herz pro Hektar – das ist die wichtigste Kennzahl in der Landwirtschaft. Wie viel Kreativität und Herzblut kann ich in die Fläche investieren? Entgegen dem Trend braucht es nicht weniger Menschen in der Landwirtschaft, sondern mehr. Meiner Meinung nach viel mehr.

Stimmt es, dass Permakultur darauf abzielt, weniger arbeiten zu müssen?

Ich denke, dass auch da ein Missverständnis die Runde macht. Nach Permakultur-Prinzipien zu arbeiten heißt nicht, weniger zu arbeiten. Im Gegenteil: wir müssen sogar mehr leisten. Mehr denken, mehr informieren, mehr suchen, mehr reflektieren und diversifizieren. Kreativität in seine Arbeit, sein Leben einfließen zu lassen, macht Spaß. Als Landwirt kann man unglaublich kreativ sein und sich entfalten. Ich bin Generalist, nicht Spezialist. Mir reicht es, wenn meine Kulturen zu 80% erfolgreich sind. Will man 100% Erfolg, braucht es viel zu viel Aufwand. Ich gebe mich mit weniger zufrieden, habe dafür aber viele verschiedene Kulturen gleichzeitig auf meinen Flächen. Ich betreibe „low-input-farming“. Mit viel Input viel Output zu erreichen, ist keine Kunst. Mit wenig Aufwand vergleichsweise viel Ertrag zu erwirtschaften, das ist es, was ich anstrebe. Und weil das auf meinem Hof gut funktioniert und mir Spaß macht, mach ich eben viele verschiedene Dinge. Ich probiere aus, teste und verwerfe auch wieder. Das bedeutet insgesamt wieder viel Aufwand. Aber das ist okay so, denn ich mache das ja sehr gerne.

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